Anpassungspotenzial von verschiedenen Genexpressionen abhängig
Ein Forscherteam der Penn State University http://www.psu.edu ist dem Grund, warum Korallen unter den hohen Meerestemperaturen leiden, auf die Spur gekommen. In einer aufwändigen Studie haben sie erstmals die Entwicklung von Korallenlarven unter verschiedenen Temperaturen beobachten können. Offensichtlich ist eine genetische Variation dafür verantwortlich, ob sich die Larven gut entwickeln konnten oder starben.
Das Team um Iliana Baums hat sich eine in der Karibik einst sehr häufig vorkommende Korallenart namens Montastraea faveolata als Versuchstier ausgesucht. Obwohl diese Art weit verbreitet ist, steht sie seit einigen Jahren auf der Roten Liste, da sie in manchen Regionen um bis zu 90 Prozent zurückgegangen ist. Um genau herauszufinden, was bei der Korallenbleiche, bei der die symbiotisch lebenden Algen die Korallen verlassen und beide dann sterben, geschieht, mussten sie die kurze Zeit während der Massenlaichzeit nutzen. Die Forscher nahmen Proben an zwei verschiedenen Standorten – vor der Küste von Key Largo und vor Puerto Morales in Mexiko.
Unterschiedliche Entwicklung bei höheren Temperaturen
Kernpunkt der Untersuchungen war die Entwicklung der Larven zwölf bis 50 Stunden nach der Befruchtung unter verschiedenen Temperaturen. Dabei konnten die Wissenschaftler feststellen, dass sich die Larven von beiden Fundorten in den ersten 50 Stunden relativ gleich verhielten. Allerdings wies die Hälfte der Florida-Larven unter erhöhten Temperaturen schon nach 46 Stunden Deformationen auf, während hingegen die mexikanischen trotz der höheren Temperaturen keinerlei Veränderungen zeigten.
Standortunterschiede wesentlich
Von großem Interesse für die Forscher ist der genetische Hintergrund der Larven-Entwicklung. „Diese Studie vergleicht die Genexpression von Korallenlarven aus Florida und Mexiko als Antwort auf hohe Wassertemperaturen. Hochinteressant ist die Erkenntnis, dass sich deutliche Unterschiede zwischen den Standorten ergaben, obwohl dieselbe Korallenart untersucht wurde“, meint der Experte Christian Wild, Leiter der Coral Reef Ecology Arbeitsgruppe am GeoBio-Center München http://www.palmuc.de/core, im Gespräch mit pressetext.
„Insofern war offensichtlich auch das genetische Anpassungspotenzial an klimaveränderungsbedingten Umweltstress innerhalb verschiedener Korallenkolonien derselben Art sehr unterschiedlich“, erklärt Wild. Aufgrund dieser Befunde liefert die vorliegende Studie einige wertvolle Hinweise für die derzeit stattfindenden Bemühungen, zerstörte Riffe, vor allem in der Karibik, durch Neuansiedlung von Larven wieder zu restaurieren.
„Unsere Studie macht deutlich, dass die Larvenentwicklung davon abhängig ist, wo die Mutterkolonie herkommt“, erklärt Baum. Das zeigt sich deutlich an den unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Korallenlarven in Mexiko und Florida.
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